Bei der Bildung der Mairie Türnich im Jahr 1800 wurden fünf Kommunen zusammengeschlossen: Balkhausen, Brüggen, Grefrath mit Bottenbroich, Habbelrath und Türnich. Anders als in den anderen Mairien der heutigen Stadt wurden dabei Dörfer zusammengeführt, die zuvor verschiedenen Territorialherren unterstellt waren. 1816 wurde der Besitzer des Schlosses Türnich Max Freiherr von Rolshausen zum ersten preußischen Bürgermeister. Nachdem 1839 der Verwaltungssitz nach Grefrath verlegt worden war, verwaltete von 1842 bis 1846 der Sindorfer Bürgermeister H.J. Dünwald in Personalunion auch die Bürgermeisterei Türnich. Fast die Hälfte der 175jährigen Geschichte der Gemeinde Türnich entfiel auf die Amtszeiten von Franz Broel und von seinem Sohn Eugen (1857-1900; 1900-1933).

Die weitere wirtschaftliche und politische Entwicklung der Gemeinde, die im Kreis zunächst als die ärmste galt, wurde überwiegend durch die wachsende Bedeutung des Braunkohlenabbaus bestimmt. Franz Broel, der sich in seiner 43jährigen Amtszeit insbesondere für die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage einsetzte, hinterließ seinem Sohn eine industrialisierte und wohlhabende Gemeinde, die zudem über einen Bahnanschluss (seit 1.3.1899) verfügte. Das spätere Rathaus, das damals gleichzeitig als Rentei und Bürgermeisteramt diente, ließ Eugen Broel im Jahr 1904 fertigstellen.

Im Zuge der Braunkohle-Großraumförderung wurde Bottenbroich als erster Ort im Rheinischen Braunkohlerevier beginnend mit dem Jahr 1938 an den Ortsrand von Horrem umgesiedelt. Die Teilumsiedlung von Balkhausen wurde zwischen 1950 und 1959 durchgeführt. Im Abbaugebiet lag u.a. die Rochuskirche.

Türnich war die einzige Gemeinde der heutigen Stadt Kerpen, die durch das Köln-Gesetz aufgelöst wurde. Balkhausen, Bottenbroich, Brüggen und Türnich wurden in die neue Stadt Kerpen eingegliedert, Grefrath und Habbelrath gehören seit 1975 zu der Stadt Frechen.

Das vorliegende Repertorium erschließt einen Teilbestand der Akten der bis 1974 selbstständigen und amtsfreien Gemeinde Türnich, der in etwa der Hälfte des Gesamtbestandes umfasst.

Die Verzeichnungseinheiten 1 bis 449, ca. 20 lfm, wurde von Stadtarchivarin Susanne Harke-Schmidt in den frühen 1980er-Jahren verzeichnet. Die Laufzeit reicht von 1784 bis 1956, wobei der Schwerpunkt auf der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts sowie dem 20. Jahrhundert liegt. Die übrigen Akten wurden nach und nach von verschiedenen Bearbeitern verzeichnet, zuletzt alle Unterlagen zur Umsiedlung von Bottenbroich, Grefrath und Habbelrath sowie über die Friedhöfe.

Die Überlieferung des Schriftguts aus dem 19. Jahrhundert sowie dem Anfang des 20. Jahrhunderts kann nur als sehr lückenhaft bezeichnet werden. Vergleiche mit den Aktenbeständen der Nachbargemeinden Kerpen und Buir beweisen diese Vermutung.

Die Klassifikation des Bestandes wurde nach dem KGSt-Aktenplan vorgenommen. Obwohl nicht alle 8 Gruppen belegt wurden, ist die Nummerierung der Hauptgruppen nicht verändert worden, so dass z. Bsp. die Gruppe 7 in der Klassifikation gar nicht erscheint. Das gleiche trifft auf die Nummerierung der Mittel- und Untergruppen zu: Weitgehend wurden die Gruppennummern des KGSt-Plans übernommen. Das hat zur Folge, dass verschiedene Gruppennummern nicht belegt sind oder auch verschiedenen Untergruppen nur eine Akte zugeordnet wurde. Diese an sich atypische Klassifikationsart hat aber den Vorteil, dass bei der Weiterverzeichnung des Bestandes die gleiche Klassifikation problemlos übernommen werden kann. Zwangsläufig ergaben sich Überschneidungen, die in der Art früherer Aktenführung begründet liegen:

Einige Akten aus der NS-Zeit ließen sich der KGSt-Gliederung nicht oder nur schlecht zuordnen, so dass für diese fraglichen Akten eine weitere Gruppe (Gruppe 9: NS-Zeit) gebildet wurde. Eine Lösung, die zwar nicht sehr glücklich ist, aber hoffentlich verhindert, dass gerade diese Akten in einer nicht angemessenen Klassifikation untergehen.

Mehrere Akten aus der NS-Zeit sowie der unmittelbaren Nachkriegszeit mussten zunächst aus Datenschutzgründen für die Benutzung gesperrt werden.

Die Plakate, Pläne und Zeichnungen, die aus Lagerungs- und Konservierungsgründen nicht in den Akten verbleiben konnten, wurden entnommen und in die entsprechenden Plakat- oder Kartenbestände eingegliedert.

Das Findbuch dieses Teilbestandes wird bereits separat veröffentlicht, weil die abschließende Verzeichnung des Restbestandes momentan noch nicht absehbar ist, aber dennoch schon die Möglichkeit geboten werden soll, die bisher verzeichneten Akten zu benutzen.